Notizen

13. Juli 2017 // Kleine Vögel. Immer schlecht.

Ich habe einen Rock genäht. Ich nenne ihn den A-Rock, weil ich den Stoff an dem Tag kaufte, als ich erfuhr, dass … Das war zwei Tage nachdem ich die Bibliothek vollgeheult hab und später Tränen in meinen Kaffeebecher fielen. Am Bahnhof. Der Tag, an dem ich auch die Bahn vollheulte und den Schaffner nicht ansah. Und zwei Tage später diesen nicht schönen Stoff kaufte, um ein Denkmal zu haben. Denkmal für den fast schlimmsten Tag. Was für eine Scheiße. Und dann hockte ich plötzlich am Regal im Vorraum der Bibliothek und wollte diesem fremden Mann, der mich so komisch ansah, nur einen Satz sagen. Nämlich dass … und dann sprach mich noch dieses fröhliche Mädchen an, die in seiner Stadt wohnt und ich wollte immer nur sagen, dass … Aber ich sagte nichts und weinte wieder und später am Abend sagte B. dass ich bessere Tabletten brauche und ich dachte, dass ich besser weiß, was ich brauche. Ich brauche …, weil ich …

Oh Mann. In was für einer Scheiße bin ich gelandet. Auf dem Rock sind kleine Vögel. What else?

 

 

 

Geschützt: 8. Juli 2017 // E-Mails from hell

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17. Juni 2017 // John Moreland read my mind

I’ve been pouring whiskey in the wind,
burning pictures of my best friends
until the ashes cover me like rain.

||John Moreland||No Glory In Regret

13. Juni 2017 // Auch das noch

Gestern eine Mail vom Altstadtmann erhalten. Inhalt: er hat sich in mich verliebt. Ja klar. Er konnte sogar ein Datum und eine Beinaheuhrzeit nennen. Letztes Jahr im November als ich im Schlafanzug die Tür öffnete. Grundgütiger. In all den langen, langen Jahren in denen wir uns kennen, muss ich doch irgendwann mal eine attraktivere Figur abgegeben haben, als letzten November im Schlafanzug! Wo klar war, dass Aleppo fällt und ich mit. Himmel, war das ein grässlicher November. Ich fühle mich veralbert und frage, ob das seine neue Art von Humor ist oder ob jetzt die neue Seltsamkeit begonnen hat. Erhalte daraufhin eine Mail, in der er nicht mehr von „verliebt sein“ schreibt, sondern von „Liebe“. Plötzlich weiß ich, wie sich der Zerfallende damals in der Küche in Braunschweig fühlte. Auch das noch. Er kommt zu dem Schluss, dass jetzt Schluss ist. Mit allem. Zero Kontakt ist für ihn leichter und darum: Ende.

10. Juni 2017 // Beruhigung

4. Juni 2017 // Life ain’t fair

Neuigkeiten des Tages: L. hat drei Hirntumore und J. ein Kind.

4. Juni 2017 // You can kill people, but you can’t kill an idea.

And der Bar: es ist eng, es ist laut, ich bin nicht in Redestimmung. Komme trotzdem mit dem Typen neben mir ins Gespräch. Harmlos aussehender Hipster. Nach drei Minuten sind wir bei Russland. Er glaubt mir nicht, dass es um die Pressefreiheit im Kremlland ziemlich schlecht bestellt ist. What? Ich frage ihn, ob er Reporter ohne Grenzen kennt. Kennt er nicht, natürlich. Und überhaupt: er war schon mal in Moskau und bezweifelt daher was ich sage. Aha. Dann lässt er mich wissen, dass die USA was die Weltlage betrifft ja viel desaströser sind, vorallem in Syrien, und dass Russland das schon alles richtig macht. What? What the fuck? Ist das dein Ernst? Ist sein voller Ernst. Wo fängt man da an? Wo um alles in der Welt soll man denn da anfangen? Ich fühle mich erschlagen, bevor es überhaupt losgeht. Er kommt mit: wer weiß, wer diesen Aufstand von außen ins Land getragen hat. Ich berichte ihm vom Massaker von Hama, von Tadmur, vom Damaszener Frühling und natürlich: er denkt, dass ich mit Damaszener Frühling den arabischen Frühling meine. Der Klassiker. Sich null mit syrischer Innenpolitik der letzten dreißig Jahre auskennen, aber genau wissen wollen, dass das kein Aufstand des Volkes war. Oh Welt.

Dann erklärt er mir, dass er links ist. Ach, das wäre mir bei all dem Antiamerikanismus, der aus jedem dritten Satz trieft,  kaum aufgefallen. Oh Oklahoma. Ich sage ihm, dass ich auch linksorientiert bin, aber dennoch kein Apparatchik sein muss und frage ihn, weil er ja so links ist, ob er Yassin al Haj Saleh kennt. Kennt er natürlich nicht. Grandios. Als betont Linker die linke Opposition in Syrien nicht kennen und treu zu Bashar stehen, Putin machts ja vor. Dann kommt er mit Klassiker 2: Assad schützt die Christen. Klar. Und Horst Seehofer pilgert demnächst nach Mekka. Ich frage ihn, ob er Michel Kilo kennt. Kennt er nicht, natürlich. Warum sollte man als linker Christ auch die links, christliche Opposition in Syrien kennen? Wenn Putin für Bashar bombt, wird das schon in Ordnung sein und außerdem Klassiker 3: Assad bekämpft den IS. Klar. Und darum kann Daesh auch mal 200 Kilometer in einer Kolonne von Raqqa nach Palmyra durch die Wüste fahren ohne behelligt zu werden, während das Regime zeitgleich Bomben auf Aleppo und die östliche Ghouta wirft. Oder Wohngegenden in Raqqa bombardiert, während das riesige Gerichtsgebäude von Daesh in der gleichen Stadt nicht einen Kratzer abbekommt. Ich frage ihn, ob er „Die schwarze Macht“ gelesen hat. Er kennt Christoph Reuter nicht. Himmel hilf! Wenn man zu Syrien schon so klare Positionen hat, müsste man doch wenigstens alle Seiten irgendwie mal beleuchtet haben. Ich habe mir den Rania Khalek-Scheiß doch auch ungefiltert reingezogen und wirklich: diese Art von Journalismus ist schon hart an der Grenze und nach einem Vortrag von Vanessa Beeley müsste man eigentlich Schmerzensgeld bekommen. Soviel Widerlichkeiten auf zwei Beinen. Man muss an den Schulen wirklich Journalismus als Unterrichtsfach einführen und lernen, wie man seriöse von weniger seriösen Quellen unterscheiden kann. Andernfalls sitzen dann da plötzlich 30jährige, die RT  für authentisch halten.

Der Typ wechselt jetzt das Thema. Israel. Natürlich. Sein erster Satz: mit der Gründung eines Staates haben sich die Juden keinen Gefallen getan. What? Die Juden. Klar. Warum sollte man auch „die Israelis“ sagen, wenn man doch gleich ganz pauschal die Juden sagen kann. Ich frage ihn, was die Alternative gewesen wäre. Zurück in die Täterländer gehen und dort einfach weiterleben? Darauf hat er für einen Moment auch keine richtige Antwort. Nach ein paar Sekunden Stille lässt er mich aber wissen, dass es doch gar nicht soviele Täterländer gab. Für einen Moment überlege ich echt, ob ich einem erwachsenen Mann erklären muss, dass man als Jude auch in Dänemark oder Bulgarien nicht sicher war, aber: ich lasse es. Er ist jetzt auch schon weiter und wettert gegen Israel allgemein und grundlegend. Und grundlegend frage ich mich dann immer: wissen solche Leute wirklich nicht, dass man auch außerhalb von Schubladen denken kann? Dass man sich für einen freien Palästinenserstaat aussprechen kann ohne Fundamentalkritik an Israel zu praktizieren? Überhaupt: was sind das für Linke, die den Gedanken von Kibbuzim nicht schätzen? Wir vertiefen das nicht, denn er hat schon ein neues Thema und will wissen, was ich über Kopftuch und Beschneidung denke. Er hält mich bestimmt für eine Terroristin, ganz klar. In diesem Sinne – am Israel chai und: